Lehre Gräzistik Wintersemester 2026/27
VORLESUNGEN
Die griechische Literatur der archaischen und klassischen Zeit (Griechische Literaturgeschichte I) - PD Dr. Claas Lattmann
Homer, Platon, Sappho, Hesiod, Aristoteles, Pindar, Xenophon, Euripides, Parmenides, Herodot, Sophokles, Demosthenes, Hippokrates, Aristophanes – wer hätte nicht von zumindest einigen dieser antiken griechischen Autoren gehört, deren Werk nicht nur in ihrer eigenen Zeit für Bewunderung gesorgt hat, sondern auch bis heute einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten europäischen Literatur und Kultur ausgeübt hat.
In der Vorlesung wollen wir, mit Pindar gesprochen, wie eine Biene von Blüte zu Blüte huschen und uns einen Überblick über die archaische und klassische Periode der griechischen Literatur erwerben – das heißt diejenige Zeit zwischen dem 8. Jh. v. Chr. bis ungefähr 330 v. Chr., in der sie überhaupt erst ihre eigenen Formen findet und sich ein grundlegender Wandel von einer mündlichen zu einer schriftlichen Kultur vollzieht, mit allen kreativen Möglichkeiten, die mit einer solchen Transformation einhergehen. Unter Berücksichtigung der außertextlichen, historischen Verankerung der Texte in ihrem soziokulturellen Umfeld werden wir in exemplarischen Einblicken die wichtigsten Gattungen und Textsorten kennenlernen, unter anderem das Epos, die Tragödie, die Komödie, die Geschichtsschreibung, die Philosophie, die Rhetorik und neben der etwa medizinischen und astronomischen Fachschriftstellerei natürlich auch das weite Feld der Lyrik.
Alle, die an der spannenden frühen griechischen Literatur interessiert sind und sich auf das Wagnis einlassen mögen, gewinnbringende Einblicke in eine über zweitausend Jahre zurückliegende Kultur zu gewinnen, sind herzlich willkommen!
Griechisch- oder sonstige Kenntnisse sind nicht vorausgesetzt; alle Texte werden (auch) in deutscher Übersetzung vorgestellt.
Veranstaltungsnummer: 13063
Odyssee, Gesänge υ-ω (XX-XXIV) (Narrative Formen I) - Prof. Dr. Oliver Primavesi
Die letzten Bücher der Odyssee enthalten den dramatischen Höhepunkt des Gedichts: die Bogenprobe, den Kampf mit den Freiern und die Wiedererkennung des Odysseus durch seine Frau Penelope. Doch mit dem Tod der Freier ist die Geschichte noch keineswegs zu Ende: In der oft übergangenen zweiten Nekyia begegnen ihre Seelen in der Unterwelt den Helden des Trojanischen Krieges, und das Geschehen auf Ithaka wird noch einmal aus der Perspektive der Toten gespiegelt. Dabei erhält der Freiermord eine besondere Schärfe dadurch, dass die Freier vielfach einer jüngeren Generation jener ithakesischen Familien angehören, deren Männer einst mit Odysseus nach Troja gezogen waren und unter seiner Führung nicht nach Hause zurückkehrten. Entsprechend ruft ihre Tötung die Verwandten der Freier auf den Plan und droht einen neuen Krieg innerhalb Ithakas auszulösen. Erst das Eingreifen Athenes – gleichsam als dea ex machina avant la lettre – beendet die Gewalt und erzwingt den Frieden, mit dem das Epos schließt.
Diese Vorlesung wird exemplarisch in die Interpretation Homers einführen.
Spezielle Vorkenntnisse des Griechischen bzw. der epischen Kunstsprache werden nicht vorausgesetzt, da alle interpretierten Textpassagen in der deutschen Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt vorgestellt werden.
Veransstaltungsnummer: 13001
Inzest, Trug und Wahn: Die Dramen des Sophokles (Diskursive Formen I)- Prof. Dr. Regina Höschele
Im Zentrum der Vorlesung steht das dramatische Werk des griechischen Tragikers Sophokles. Wir werden die sieben erhaltenen Stücke (Aias, Antigone, Trachinierinnen, König Ödipus, Elektra, Philoktet und Ödipus auf Kolonos) vor dem Hintergrund ihres religiösen, politischen und performativen Kontextes betrachten:
Wie hat Sophokles' bekannte Mythen umgestaltet und auf die Bühne gebracht, welche Rolle spielt der Chor in seinen Stücken, in welchem Verhältnis steht die dort evozierte mythische Welt zur Poliskultur Athens? Neben einer Interpretation der einzelnen Tragödien möchte die Vorlesung auch einen Blick auf die außerordentliche Wirkung werfen, die Sophokles' Dramen (u.a. durch die Rezeption Freuds) auf die moderne Kunst- und Geistesgeschichte hatten.
Griechisch oder sonstige Kenntnisse sind nicht vorausgesetzt: wir werden alle Textpassagen in deutscher Übersetzung betrachten.
Studierende sollten jeweils das in einer Sitzung behandelte Stück vorab in Übersetzung lesen (ein Semesterplan wird in der ersten Vorlesungswoche verfügbar sein). Deutsche Übersetzungen bieten z.B. Steinmann (Reclam), Schadewaldt (Insel-Verlag) oder Willige
(Tusculum: letzteres online verfügbar über die Stabi).
Veranstaltungsnummer: 13002
SEMINARE
Das griechische Epos (Narrative Formen I) - Prof. Dr. Oliver Primavesi
Das Seminar dient dem Erwerb der Fähigkeit, Homerisches Griechisch flüssig im Versmaß lesen und übersetzen zu können, und dabei die besonderen poetischen Konventionen des Homerischen Epos angemessen zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck werden ausgewählte Abschnitte aus beiden Epen übersetzt und im Hinblick auf Sprache, Versmaß und poetische Form erklärt.
Veranstaltungsnummer: 13074
Die Trachinierinnen des Sophokles (Diskursive Formen I) - Prof. Dr. Regina Höschele
Im Zentrum von Sophokles' Trachinierinnen steht Deianeiras Liebesschmerz angesichts von Herkules' Untreue und ihr verzweifelter Versuch, mithilfe eines vermeintlichen Liebeszaubers die Zuneigung ihres Gatten wiederzugewinnen, der für beide tödlich endet. Anhand einer eingehenden Analyse des Stücks werden wir aktuelle Fragen der Forschung und verschiedene theoretische Ansätze (Gender-Studies, New Materialism, kognitive Narratologie, Affekttheorie etc.) diskutieren. Wir werden dabei eng mit dem griechischen Originaltext arbeiten; Studierende anderer Fächer sind jedoch auch ohne Griechischkenntnisse herzlich willkommen und können auf eine Bilingue bzw. Übersetzung zurückgreifen.
Bitte lesen Sie für die erste Sitzung das gesamte Stück in Übersetzung und bereiten Sie (insofern Sie Gräzistik studieren) den Prolog (V. 1-93) auf Griechisch mithilfe einschlägiger Kommentare vor (ich werde Ihnen vor Semesterbeginn entsprechende Literatur zukommen lassen).
Das Seminar findet im Raum S325 in der Schellingstraße 3 statt.
Veranstaltungsnummer: 13069
Theokrit: Die nicht-bukolische Dichtung (Masterseminar) - Prof. Dr. Peter Bing
Der Dichter Theokrit aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. ist vor allem für die Erfindung der bukolischen Dichtung bekannt. Er verfasste jedoch auch ausgesprochen städtische Idyllen, oft von stark politischem Charakter. Dieses Seminar konzentriert sich insbesondere auf diesen eher städtischen, politischen Aspekt von Theokrit. Es befasst sich mit seinem Schaffen als Hofdichter für die Könige und Königinnen des ptolemäischen Hofes im ägyptischen Alexandria. Der Kurs ist als Ergänzung zum letztjährigen Kurs über Theokrits bukolische Idyllen konzipiert, setzt jedoch nicht voraus, dass die Studierenden den vorherigen Kurs besucht haben.
Veranstaltungsnummer: 14324
Astronomie im Brief: Archimedes’ Psammites im Kontext der hellenistischen Wissenschaftskultur (Masterseminar) - PD Dr. Claas Lattmann
Der unter dem Titel Psammites – unter Ergänzung des Nomens arithmos mehr oder weniger „Sandzahl“ – überlieferte Brief eines der bedeutendsten Mathematiker der Geschichte, Archimedes, ist nicht nur inhaltlich spektakulär, sondern sicherlich auch einer der zugänglichsten Zeugnisse der antiken Mathematik: Im Zentrum steht die Frage, wie viele Körner Sand in den gesamten Kosmos passen – und diese Zahl wird dadurch berechnet, dass Archimedes nicht nur ein quantifiziertes Modell des Kosmos präsentiert und hierfür eine tour de force durch das Wissen der fortgeschrittensten Astronomie seiner Zeit liefert, sondern dass er zu diesem Zweck neben der Beschreibung eines eigens ersonnenen Beobachtungsgeräts und seiner Bedienung sogar ein originelles, leistungsfähiges Zahlensystem entwirft – und all dies in einer Weise präsentiert, die sich vornehmlich nicht an den Wissenschaftlerkollegen richtet, sondern mit König Gelon II. von Syrakus an einen offenen und interessierten, aber keineswegs fachkundigen Laien.
Diesen Umstand sollten wir als Ermunterung verstehen, uns mit diesem nicht allzu langen Text zu beschäftigen und dabei die Gelegenheit wahrzunehmen, nicht nur Archimedes kennenzulernen, sondern auch Einblicke in den state of the art der wissenschaftlichen Mathematik und Astronomie im Hellenismus zu erlangen, auch mit Blick auf deren soziokulturelle Verankerung.
Im Seminar werden wir den Brief sukzessive im griechischen Original lesen und als instruktives Beispiel für die griechische Wissenschaftsliteratur kennenlernen. Dabei wollen wir aber auch die Gelegenheit ergreifen, links und rechts einen Blick insbesondere auf die weitere griechische Mathematik und Astronomie zu werfen, nicht zuletzt Euklid, Eratosthenes und Aristarch, letzterer bekannt für sein heliozentrisches Weltbild.
Griechischkenntnisse sind nachdrücklich empfohlen.
Veranstaltungsnummer: 13094
LEKTÜREKURSE
Alkiphron, Briefe (Einführung in die Autorenlektüre I) - Prof. Dr. Peter Bing
Der im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. lebende Epistolograph Alkiphron verfasste vier Bücher mit fiktiven Briefen, die jeweils vorgeblich von Fischern, Bauern, Parasiten und Hetairen stammten.
Der Autor war als „Alkiphron der Attizist“ bekannt, und diese Bezeichnung ist insofern treffend, als seine Werke die Idealisierung und ja geradezu die Fixierung auf das klassische Athen durch kaiserzeitliche griechische Autoren der sogenannten Zweiten Sophistik verkörpern – ihr obsessives Bestreben, den attischen Wortschatz, den literarischen Stil und die Themen des 5.
und 4. Jahrhunderts v. Chr. wiederzubeleben, obwohl sie mehr als ein halbes Jahrtausend später lebten, nach Jahrhunderten sprachlich-kultureller Veränderungen. In diesem Kurs werden wir eine Auswahl aus allen vier Büchern von Alciphron lesen und untersuchen, inwieweit die Briefe eine kunstvoll gestaltete Sammlung bilden.
Veranstaltungsnummer: 13071
Theophrast, Charaktere (Autorenlektüre I) - Samuel Kopp
„Auf dem Pferdemarkt steuert er auf die edlen Tiere zu und tut vor den Verkäufern so, als sei er am Kauf interessiert. An den Markständen fragt er nach Kleidung im Wert von zwei Talenten, um dann mit seinem Dienstjungen zu streiten, weil der vergessen habe, das Geld mitzunehmen. Und obwohl er in einem Mietshaus wohnt, behauptet er vor Leuten, die das nicht wissen, dass es aus dem Erbe seines Vaters sei und dass er es verkaufen wolle, weil es zur Bewirtung seiner Gäste zu klein geworden sei.“
So beschreibt Theophrast in seinen „Charakteren“ (Χαρακτῆρες ἠθικοί, ca. 320 v. Chr.) auf ebenso anschauliche wie humorvolle Weise das Verhalten, das ein klassischer Großtuer oder Aufschneider (ὁ ἀλαζών) an den Tag zu legen pflegt – damals offenbar kaum anders als heute. Die Aufschneiderei ist jedoch nicht die einzige Unart, die von Theophrast in ihrer Lächerlichkeit bloßgestellt wird: Insgesamt 30 Charakterzüge stellt uns der Philosoph in kurzen, fein treffenden Beschreibungen vor, den Geizhals trifft sein Spott ebenso wie den Abergläubischen oder den Greis, der sich für junggeblieben hält. Da Theophrast uns diese Figuren jeweils in ihrem „natürlichen Habitat“ vorführt, sind diese Texte zugleich eine wahre Fundgrube für alle, die wissen wollen, wie das alltägliche Leben im Athen des 4. Jh. v. Chr. aussah. Ebenso interessant und manchmal überraschend ist es, von Theophrast zu erfahren, welche Verhaltensweisen zu seiner Zeit als merkwürdig galten und welche als normal angesehen wurden.
Die Lehrveranstaltung ist ein Lektürekurs, was bedeutet, dass unser Hauptaugenmerk darauf liegen wird, gemeinsam möglichst viel von dem griechischen Originaltext zu lesen (Theophrast schreibt knappes, aber sehr präzises Attisch). Natürlich werden wir aber an schwierigen Stellen auch inhaltliche Fragen mithilfe der Sekundärliteratur zu klären versuchen sowie darüber sprechen, ob der überlieferte Text akzeptabel oder eine Konjektur vonnöten ist. Ich gebe unten eine Liste der wichtigsten und neueren Kommentare und Arbeiten. Für eine generelle Einführung zu Autor und Werk sowie als Vorbereitung für die erste Sitzung ist es aber ausreichend, wenn Sie die 20-seitige englische Einleitung von Diggle 2022 lesen, von der ich hier einen Scan hochlade.
Griechischkenntnisse im Umfang des Graecums sind erforderlich.
Veranstaltungsnummer: 13072
Reading Greek Philosophy in Greek: Aristotle’s Metaphysics Book My - Prof. Dr. Oliver Primavesi
This semester's topic is Aristotle's Metaphysics Book My (= XIII), where Aristotle discusses mathematical entities, as proposed by the Platonic school, and whether they can play the role of metaphysical principles.
Veranstaltungsnummer: 13019
Intensive Lektüre Narrative Formen I: Das griechische Epos - Dr. Cagla Umsu
Euripides, Elektra (Diskursive Formen I) (Dr. Federica Casolari-Sonders)
Im Zentrum dieser Euripidestragödie, deren Datierung vermutlich zwischen 422 und 416 v. Chr. anzusetzen ist, steht die Figur der Elektra, die auch in den Choephoren des Aischylos und in der Elektra des Sophokles vorkommt. Während sicher belegt ist, dass Aischylos’ Tragödie vor der euripideischen zu datieren ist, gilt es in der Forschung als umstritten, ob die sophokleische oder die euripideische Version die ältere sei. Darüber hinaus ist die Euripidestragödie von einem ausgeprägten Realismus charakterisiert, der sie von der aischyleischen und der sophokleischen deutlich unterscheidet.
Diese interessanten Aspekte (das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Elektra-Figuren und insbesondere die realistische Charakterisierung der euripideischen Elektra) sollen im Laufe der Lehrveranstaltung herausgearbeitet werden. Dabei sollen auch die Gattung der Tragödie im Allgemeinen und der Aufbau der Elektra im Besonderen in den Blick genommen werden.
Zur ersten Sitzung wird erwartet, dass den Teilnehmern der Inhalt der Tragödie (aus einer Übersetzung) bekannt ist und dass die V. 1-53 gründlich vorbereitet werden.
Veranstaltungsnummer: 13070
Plutarch, Parallelbiographien (Griechische Lektüre für Latinisten/-innen) - Dr. Giulia Dovico
In den „Parallelbiografien“ beschreibt Plutarch das Leben berühmter griechischer und lateinischer Persönlichkeiten und stellt sie paarweise gegenüber, um gemeinsame moralische Laster oder Tugenden der beiden Personen aufzuzeigen. Wir werden Auszüge aus Plutarchs Parallelenbiographien übersetzen und diese mit Texten aus der lateinischen Literatur vergleichen. Mit einem Blick auf das biographische Genre in der Antike dient der Lektürekurs der Wiederholung und Erweiterung des grammatischen Basiswissens der griechischen Sprache und übt die Übersetzung vom Griechischen ins Deutsche.
Veranstaltungsnummer: 13446
ÜBUNGEN UND ZUSÄTZLICHE ANGEBOTE
Einführung in die griechische Philologie (Grundlagen der Klassischen Philologie I) - Dr. Christina Prapa
In dieser Einführungsveranstaltung sollen zusammengefasst die Grundlagen des Faches vermittelt werden.
Ziel des Kurses ist es, Studierenden der Classical Studies und der Griechischen Philologie einen Überblick zu vermitteln, der sich während des gesamten Studiums als äußerst nützlich erweisen wird :)
Wir werden uns mit folgenden Themen befassen: der Definition der Griechischen Philologie und den ersten "Philologen", der Geschichte der Philologie (nur als Überblick!), den vier Epochen und den zwei Gattungen der griechischen Literatur, den (Haupt-)Dialekten und der Metrik, der Tradierung der antiken Texte und schließlich der Textkritik.
Griechischkenntnisse sind nicht notwendig!
Veranstaltungsnummer: 13064
Griechische Morphologie (Griechische Grammatik) - Dr. Cagla Umsu
Die sichere Beherrschung der griechischen Morphologie (Formenlehre) ist eine wichtige Grundvoraussetzung nicht nur für griechische Stilübungen, sondern überhaupt für die flüssige Lektüre von und die intensivere philologische Beschäftigung mit griechischen Texten.
In diesem Kurs soll daher die griechische Formenlehre wissenschaftlich durchleuchtet und im Anschluss daran praktisch eingeübt werden. Teilnahmevoraussetzung sind lediglich Griechischkenntnisse auf Niveau des Graecums
Veranstaltungsnummer: 13075
Queer Classics: Geschlecht und Sexualität im Spiegel antiker Literatur (Rezeption der griechischen Literatur) - Dr. Saskia Schomber
Die griechisch-römische Antike hat sowohl im Projekt einer Geschichte der Sexualität als auch für die Entwicklung der Queer Theory immer wieder als wichtiger Referenzpunkt gedient. Umgekehrt eröffnet die Queer Theory neue Perspektiven auf antike Texte, ihre Figuren und ihre Rezeptionsgeschichte. Das Seminar fragt daher in beide Richtungen: Was können queertheoretische Ansätze zur Interpretation antiker Literatur beitragen – und welche Impulse gehen von antiken Texten für gegenwärtige Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität, Begehren, aber auch von Rezeption im Allgemeinen aus?
Das Seminar teilt sich in drei Teile:
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Konzept des queer unhistoricism. Der queer unhistoricism hinterfragt die Vorstellung, die Vergangenheit ließe sich als das „Andere“ der Gegenwart klar von dieser trennen, und richtet den Blick auf unerwartete Affinitäten, Berührungen und Überschneidungen zwischen unterschiedlichen Epochen und sozialen Gruppen. Auf Grundlage der gemeinsamen Lektüre einiger Schlüsseltexte der aktuellen Queer Theory werden wir diskutieren, welche Möglichkeiten sich daraus für die Lektüre und die Rezeption antiker Texte ergeben.
Als Beispiel für einen antiken Text, der immer wieder als ‚queer‘ gelesen wird, betrachten wir dann Euripides’ Bakchen sowie deren moderne queeren Fortschreibungen und Transformationen.
Ein abschließender Block widmet sich literarischen Rewritings und queeren Antikenrezeptionen in Literatur und Film wie z.B. Ali Smiths Girl Meets Boy, Guadagninos Film Call me by Your Name, Ocean Vuongs Gedicht Telemachus, Kim de l’Horizons Roman Blutbuch, … – das genaue Corpus kann noch entsprechend der Interessen der Seminarteilnehmer:innen abgestimmt werden.
Ziel des Seminars ist es, aktuelle Positionen der Queer Theory kennenzulernen und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre methodischen Herausforderungen für die Klassische Philologie und die Rezeptionsforschung kritisch zu erproben.
Veranstaltungsnummer: 13086
Methoden der Interpretation: Einführung in die Grundlagen der Literaturtheorie - Dr. Saskia Schomber
Die Übung führt anhand der gemeinsamen Lektüre theoretischer Grundlagenwerke im Dialog mit antiken Texten in die Literaturtheorie ein.
Veranstaltungsnummer: 13087
Griechische Stilübungen I - Dr. Christina Prapa
In diesem Kurs wollen wir das Übersetzen aus dem Deutschen ins Griechische üben. Wir werden mit Sätzen (nicht mit Staatsexamentexten) arbeiten und uns in jeder Sitzung auf eine grammatikalische Einheit konzentrieren.
Alle Materialien werden zur Verfügung gestellt.
Als Grundlage brauchen Sie (zusätzlich zur Schulgrammatik) die Grammatik v. Bornemann-Risch.
Der Kurs bietet sich für alle Studierende, die ihre Griechischkenntnisse verbessern wollen, sich auf die Staatsexamen* vorbereiten, oder einfach Spaß am Griechischlernen haben.
*Anm.: Studierenden, die sich auf die Staatsexamen (De-Gr / Gr-De) vorbereiten, wird empfohlen, neben diesem Kurs und dem Repetitorium zusätzlich eine Autorenlektüre zu besuchen!
Veranstaltungsnummer: 14327
Repetitorium Griechische Sprach- und Stilübungen: Deutsch-griechische Übersetzung - Michael Neidhart
In diesem Kurs soll als Vorbereitung auf die Deutsch-Griechisch-Klausur des Staatsexamens das flüssige Übersetzen zusammenhängender Texte auf Staatsexamensniveau eingeübt werden.
Eine gute Kenntnis der Grammatik (Bornemann/Risch) wird vorausgesetzt.
Die Festlegung des Semesterplan erfolgt in Absprache zu Beginn der Vorlesungszeit.
Veranstaltungsnummer: 14329
Eine deutsche Neuübersetzung von Nonnos’ Dionysiaka (extracurricular) - Prof. Dr. Regina Höschele
Mit einem Umfang von 48 Büchern sind Nonnos’ Dionysiaka (5. Jh. n. Chr.) das längste uns überlieferte griechische Epos und wohl auch eines der verrücktesten Gedichte der Antike: In einer stark manierierten und überaus bildreichen Sprache verfasst, erzählt es – mit zahlreichen narrativen Digressionen und in ständiger Anspielung auf frühere Texte – den Werdegang des Gottes Dionysos von seiner Zeugung bis hin zu seiner Apotheose.
Es existieren bislang zwei deutsche Versionen der Dionysiaka (Thassilo von Scheffer, 1925-1933; Dietrich Ebener, 1985), die jedoch für ein modernes Lesepublikum nur bedingt ansprechend sind. In dieser Übung wollen wir – mit Blick auf eine in Arbeit befindliche Neuübersetzung – gemeinsam überlegen, wie eine zeitgenössische Übersetzung dieses so komplexen Textes am besten aussehen sollte, mit verschiedenen Übersetzungstechniken experimentieren und grundsätzliche Fragen zu literarischer Übersetzung erörtern: Wie nah sollte man den Originaltext in all seiner sprachlichen Extravaganz nachahmen, wie gelingt es, die poetische Wirkung der Dionysiaka zu vermitteln und zugleich eine gut lesbare Übersetzung zu produzieren? Alle Studierenden (auch solche, die bislang keine Erfahrung mit der Lektüre spätantiker griechischer Poesie haben) sind herzlich willkommen, sich dieser Diskussion anzuschließen.
Veranstaltungsnummer: 13558
Metrik und Musik (extracurricular) - Michael Neidhart
Pl. Rep. 401d5–402a4
Ἆρ’ οὖν τούτων ἕνεκα κυριωτάτη ἐν μουσικῇ τροφή, ὅτι μάλιστα καταδύεται εἰς τὸ ἐντὸς τῆς ψυχῆς ὅ τε ῥυθμὸς καὶ ἁρμονία, καὶ ἐρρωμενέστατα ἅπτεται αὐτῆς φέροντα τὴν εὐσχημοσύνην, καὶ ποιεῖ εὐσχήμονα, ἐάν τις ὀρθῶς τραφῇ, εἰ δὲ μή, τοὐναντίον; καὶ ὅτι […] ὁ ἐκεῖ τραφεὶς […] τὰ μὲν καλὰ ἐπαινοῖ καὶ χαίροι […], τὰ δ’ αἰσχρὰ ψέγοι τ’ ἂν ὀρθῶς καὶ μισοῖ ἔτι νέος ὤν, πρὶν λόγον δυνατὸς εἶναι λαβεῖν, ἐλθόντος δὲ τοῦ λόγου ἀσπάζοιτ’ ἂν αὐτὸν γνωρίζων δι’ οἰκειότητα μάλιστα ὁ οὕτω τραφείς;
Ist also deshalb die musikalische Aufernährung am wirkmächtigsten, da Rythmus und Harmonie am tiefsten ins Innere der Seele eintauchen und am beständigsten an ihr haften, während sie eine gute Haltung mit sich bringen? Und dass sie eine gute Haltung tatsächlich bewirken, wenn einer richtig aufgezogen wird, andernfalls aber das Gegenteil davon? Und ist es nicht so, dass der so aufgezogene […] das Gute lobt und sich darüber freut […], das schlechte aber tadelt und bereits als Kind hasst, bevor er noch in der Lage ist, den Logos zu erfassen; wenn aber der Logos kommt, dass er ihn willkommen aufnimmt, da der so Aufgezogene mit diesem bereits wegen seiner Verwandschaft zur Musik vertraut ist?
Die uns überlieferte griechische Dichtung war in ihrem Kern Musik, d.h. Sprache, deren Rhythmus und zumeist auch Melodik vom Dichter geregelt war. Die Wirkung der mit den Worten der Dichtung tief verbundenen Rhythmik und Harmonie wird von den Alten immer wieder herausgestellt.
Entgegen dem verbreiteten Vorurteil, dass die Musik der Alten verloren sei, wollen wir uns in diesem Kurs auf eine Spurensuche begeben: Neben einer grundständigen Einführung in die verschiedenen Versmaße, d.h. die Rhythmen der griechischen Musik, wollen wir uns einen Überblick über die erhaltenen Melodien verschaffen und die zugrundeliegende Harmonik mit ihren Charakteristiken anhand der beiden zentralen Instrumente (Aulos und Leier) kennenlernen. Einen Vorgeschmack auf finden sie hier: https://www.youtube.com/watch?v%3D4hOK7bU0S1Y.
Voraussetzungen für die Teilnahme sind lediglich Grundkenntnisse in und Freude an der altgriechischen Sprache. Musikalische Vorerfahrung ist willkommen, aber nicht nötig. Insbesondere Studienanfänger und Latinisten sind herzlich eingeladen!
Veranstaltungsnummer: 13555
Textual criticism: Theory and examples (extracurricular) - Dr. Christina Prapa
The aim of this course is to provide students with the basic theoretical knowledge of the transmission of Ancient Greek literature, by pointing out the character of textual tradition and explaining the method, principles, and tasks of textual criticism.
After the first theoretical part, we will focus on the textual transmission of the Aristotelian Corpus and by doing so we will examine the so-called Parva naturalia project ‒ that is, the collection of treatises known as Parva Naturalia, including De Motu Animalium ‒ and will work with certain passages, esp. from Aristotle’s De Memoria (On Memory and Recollection). Furthermore, we will discuss the role of marginal notes and diagrams in the Aristotelian transmission.
The workshop is primarily aimed at MUSAPh PhD- and Master students. Students of Greek or Byzantine Philology and Classical Studies, who wish to familiarize themselves with the principles of textual criticism are also very welcome:)
Familiarity with textual criticism or Greek paleography is NOT required for attending the workshop. A basic knowledge of Ancient Greek is required only for the second part of the course. You will receive, however, a translation of the text passages.
Bibliography and further material will be provided during the workshop.
Veranstaltungsnummer: 13559
Griechische Lektüre zur Vorbereitung auf das Staatsexamen (extracurricular) - Dr. Giulia Dovico
Wir werden Auszüge aus unterschiedlichen Autoren und Gattungen zur Vorbereitung auf das Staatsexamen übersetzen. Textvorschläge von Teilnehmer:innen sind willkommen.
Veranstaltungsnummer: 14307
Besprechung laufender Arbeiten (extracurricular) - Prof. Dr. Oliver Primavesi
Extracurricular
Veranstaltungsnummer: 14326
Forschungsseminar Griechische und Lateinische Philologie sowie Fachdidaktik der Alten Sprachen - Prof. Dr. Regina Höschele, Prof. Dr. Markus Janka, Prof. Dr. Verena Schulz, Prof. Dr. Katja Weidner
In den (in der Regel) alle 14 Tage stattfindenden Sitzungen können Qualifikationsarbeiten oder andere Arbeitsvorhaben vorgestellt und zur Diskussion gestellt werden. Es werden auch Gäste von auswärts zum Vortrag eingeladen.
Das Programm wird rechtzeitig im LSF-Dateidepot eingestellt sowie auf der Website der Abteilung publiziert (unter "Aktuelles").
Veranstaltungsnummer: 14325
SPRACHUNTERRICHT
Einführung in die griechische Sprache und Kultur I - Dr. Federica Casolari-Sonders; PD Dr. Fabian Horn
Erster Teil des zweisemestrigen Kurses zur Vorbereitung auf das Graecum. Lehrbuch: Kantharos (Klett-Verlag).
Der Kurs wird neben dem Erwerb sprachlicher Grundkenntnisse (erster Teil der Grammatik und des Grundwortschatzes) und der Übung in der Technik des Übersetzens auch einen ersten Einblick in die griechische Kultur und Literatur bieten. Im Anschluss wird in der vorlesungsfreien Zeit ein Blockkurs zur Vertiefung der Kenntnisse angeboten.
Bitte lernen Sie bereits vor Beginn des Semesters das griechische Alphabet (zu finden im Wortschatzheft zum Kantharos)!
Veranstaltungsnummer: 13062
Einführung in die griechische Sprache und Kultur II - Charlotte Rieger
Zweiter Teil des zweisemestrigen Kurses zur Vorbereitung auf das Graecum.
Aufbauend auf den ersten Teil des Kurses im vergangenen Semester werden die weitere Grammatik im Kantharos ab Kap. 28 und neue thematische Schwerpunkte behandelt.
Im Anschluss wird es in der vorlesungsfreien Zeit wieder einen Blockkurs zur Wiederholung und Vertiefung der Kenntnisse geben.
Veranstaltungsnummer: 13061
Übung zur Einführung in die griechische Sprache und Kultur I - Dr. Federica Casolari-Sonders
In dieser Übung soll parallel zum Graecumskurs I – passend jeweils zum behandelten Grammatikstoff und dem thematischen Schwerpunkt im Lehrbuch Kantharos – vor allem das Übersetzen trainiert sowie die Grammatik wiederholt werden. Für die Lehrveranstaltung wird ein Moodle-Kurs eingerichtet. Alle zur Lehrveranstaltung zugelassenen Studentinnen und Studenten werde ich manuell einschreiben, damit der Zugriff auf die Materialien möglich ist.
Veranstaltungsnummer: 13067
Übung zur Einführung in die griechische Sprache und Kultur II - PD Dr. Fabian Horn
In dieser Übung soll parallel zum Graecumskurs II – passend jeweils zum behandelten Grammatikstoff und dem thematischen Schwerpunkt im Lehrbuch Kantharos – vor allem das Übersetzen trainiert sowie die Grammatik wiederholt werden.
Veran.staltungsnummer: 13068
Lektüre zur Einführung in die griechische Sprache und Kultur II - Dr. Christina Abenstein
In Lukians satirischem Dialog Βίων πρᾶσις werden im Rahmen eines Ausverkaufs der Philosophenschulen diese vorgestellt. Dass dabei vor allem manche Absurditäten zur Sprache kommen, kann nicht ausbleiben ...
Als Textgrundlage verwenden wir der Einfachheit halber die über die UB online verfügbare Loeb-Ausgabe mit der ISBN 9780674990609.
Bitte bereiten Sie für die erste Sitzung den Paragraphen 1 vor.
Dieser Kurs begleitet die „Einführung in die griechische Sprache und Kultur II“ (13061).
Veranstaltungsnummer: 13459