Expertise
Rhetorische Tradition und Kanonbildung, Antike Philosophie
Projekt im Netzwerk: „Die Anti-Regel-Einstellung in der (früh)griechischen Rhetorik“
Seit den frühen Anfängen der rhetorischen Tradition merkt man eine klare anti-Regeln Bewegung. Platon's Phaidros und Isokrates' Gegen die Sophisten, Helena und Antidosis finden es alle lächerlich, dass man Rhetorik (oder die Kunst des guten Sprechens) irgendwie aus fixierten Regeln lernen könnte.
Ihrer Meinung nach ist die lebendige Sprache wie ein Organismus, der sich ständig weiterentwickelt und niemals vollständig erklärt oder verstanden werden kann, indem man sich auf abstrakte universelle Vorschriften beruft.
Vielleicht auch deswegen ist die (früh)griechische Seite der rhetorischen Tradition mehr auf die Nachahmung der Vorbilder/Autoren (imitatio) und nicht so sehr auf die Befolgung der Regeln bedacht?
Während sich die Tradition weiterentwickelt, bemerken wir, dass der Wunsch zunimmt, immer strengere Regeln für gute Redepraktiken festzulegen und zu befolgen, aber die Spannung zwischen Theorie und Praxis des Redens bleibt irgendwie im Kern der Rhetorik als Disziplin bestehen.
Dieses Projekt untersucht diese beiden gegensätzlichen Triebkräfte in rhetorischer Theorie und Praxis mit Verweisen auf vier Autoren: 1. Platon und Isokrates, die sich gegen strenge Regeln aussprechen (die so genannte anti-Regeln Gruppe), und 2. Aristoteles und Anaximenes, die die Möglichkeit betonen, Regeln aufzustellen, die dabei helfen, sich erfolgreich in der rhetorischen Landschaft zurechtzufinden (die so genannte pro-Regeln Gruppe).
Als zentrale Fragestellung des Projekts werden wir daran arbeiten, die Rolle von Regeln (und Regelbruch) in der griechischen Rhetorik besser zu verstehen.
