Griechische und lateinische Philologie
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Kathrin Winter

Dr. Kathrin Winter

Universität Heidelberg, Latinistik

Expertise

Rhetorik und Anschaulichkeit, Ästhetik des Grausigen und Hässlichen

Projekt im Netzwerk: „ut non sit imitandum. Negativbeispiele in der Rhetorica ad Herennium

Rhetorikhandbücher oder Texte, die rhetorische Vorschriften enthalten, geben nicht nur Beispiele für die gelungene Ausführung oder Umsetzung einer Regel, sondern häufig auch Beispiele, in denen gegen eine Regel verstoßen wird, die also genau das illustrieren, was in einer Rede zu vermeiden ist.

Dabei handelt es sich sehr häufig um Beispiele, die besonders eingängig, oft witzig und sehr erfolgreich und wirkungsvoll sind. Aus diesen Negativbeispielen ergibt sich eine Art Spannungsfeld: Auf der einen Seite wird ein Regelbruch illustriert, dessen Vermeidung offensichtlich dringend angeraten wird – und je eindrucksvoller die Illustration ausfällt, desto eindringlicher kann auch die Warnung wirken.

Auf der anderen Seite wird genau damit aber auch die potentielle Wirkmacht eines bestimmten Regelbruchs ausgestellt, die dem warnenden Impetus massiv zuwiderlaufen kann – immerhin ist die größtmögliche Wirkung zu erzielen, um zu überzeugen, das Ziel einer jeden Rede.

Der Beitrag nimmt dieses Spannungsfeld in Negativbeispielen anhand der Rhetorica ad Herennium genauer in den Blick. Es soll untersucht werden, wo überhaupt Negativbeispiele gegeben werden und wie sie funktionieren, gegen welche Normen und Regeln (neben der, die sie illustrieren) sie verstoßen und was sie eigentlich erfolgreich und wirkungsvoll macht.

Daraus lassen sich wichtige Erkenntnisse darüber gewinnen, wie produktions- und rezeptionsästhetische Aspekte (präskriptive Regeln auf der einen und – intendierte oder nicht intendierte – Wirkungen auf der anderen Seite) ineinandergreifen und ob bzw. wie dieses Zusammenspiel innerhalb des Regelwerkes reflektiert wird.

Die Ergebnisse können als Grundlage für die Untersuchung von Negativbeispielen in anderen rhetorischen Regelwerken und auch in konkreten Reden dienen.