Griechische und lateinische Philologie
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Christian Klager

Dr. Christian Klager

Universität Rostock, Philosophie

Expertise

Theorie des Spiels, Methodologie der Philosophie

Projekt im Netzwerk: „Der Regelbruch als Methodik der Philosophie. Vom Verstoß der Dekonstruktion gegen die Spielregeln des Denkens zu einem Aufbruch in die Postmoderne“

Im homo ludens beschreibt Huizinga (vgl. Huizinga, Johan: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. In engster Zusammenarbeit mit dem Verfasser aus dem Niederländischen übertragen von H. Nachod. Reinbek bei Hamburg 2006.) wie das Spiel die Entwicklung der menschlichen Kultur antreibt und beeinflusst.

Bestimmendes Merkmal des Spiels ist seine Limitierung durch Regeln. Was aber passiert, wenn diese Regeln absichtlich verletzt oder unterminiert werden? Die Regelbrecher, so Huizinga, zerstören das Spiel, schaffen aber gleichzeitig einen neuen Rahmen für ein neues Spiel mit anderen Regeln, Bedingungen und Ergebnissen.

Nimmt man das Spiel als Metapher im Sinnes des Sprachspiels bei Wittgenstein, gilt es als Muster/Setting für die regelorientierten Wissenschaften wie Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, Linguistik, Musikwissenschaften oder Rechtswissenschaften, die sich – zum Beispiel in der Spieltheorie – auch mit der eigenen Methodologie und dem Regelbruch beschäftigen.

Mit anderen Worten: Das Philosophieren funktioniert wie ein Spiel, so dass viele Erkenntnisse der Theorien des Spiels auch in Bezug auf die Philosophie wirksam werden.

Unter der besonderen Betrachtung des (Spiel-)Regelbruchs stellt sich nun die Frage, ob und wie sich neue Spiele/Muster der Philosophie herausbilden, wenn Regeln gezielt gestört, überwunden oder zerstört werden.

Eine besonders eindrückliche Epoche der Philosophiegeschichte bietet hierfür die Philosophie der Postmoderne, darin insbesondere die Idee der Dekonstruktion bei Lyotard und Derrida: Im Ergebnis der Postmoderne wird die Welt der Wissenschaft (und die der Kunst und der Literatur) in ihrer bisherigen Struktur negiert und stattdessen das freie Flottieren (ein Begriff der Postmoderne) von Sinn jenseits bisheriger Denkmuster beschrieben.

Dabei ist, so die Arbeitsthese, die vorgebliche Analyse der Welt (vgl. z.B. Lyotard, Jean-François: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Herausgegeben von Peter Engelmann. Wien 1993.) in der Postmoderne nicht entscheidend für das Ergebnis – vielmehr ist die Art und Weise der Analyse der Welt durch eine Methodik des Regelbruchs gekennzeichnet, die zu jenem Ergebnis führt.

Vorlaut formuliert, wäre die Postmoderne demnach gar keine zeitliche Epoche, sondern das Ergebnis eines gezielten Regelbruchs der Philosophie der Dekonstruktion.