Griechische und lateinische Philologie
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Neulateinisches Kolloquium

Montag, 18-20 Uhr c.t.
Geschwister-Scholl-Platz 1, M003


Prof. Dr. Claudia Wiener – Prof. Dr. Wilfried Stroh
Neulateinisches Colloquium: Jacobus Balde SJ, Templum honoris (1637)
Beginn: 16.10.2017, Ende: 05.02.2018


Germania badet im Rhein, um die Blutspuren des Kriegs im deutschen Schicksalsstrom abzuwaschen. Die Rheintöchter, um sie geschart, schützen den schönen Leib der Entblößten. Da naht im Schilf ein frecher Eindringling, ein Actaeon! Wie wird es ihm gehen? Vater Rhein rollt die wasserblauen Augen und erkennt noch rechtzeitig: Der vermeintliche Störenfried ist der Genius des Römischen Reichs, der von der Königskrönung in Regensburg zu sagen weiß. Dieser fürstliche Bote verdient eine Jause mit feinstem Lachs vom Rhein.

Wer hat diesen köstlichen Unsinn fabuliert? Ein Professor unserer Universität, die damals, 1637, noch in Ingolstadt war: Er war schon damals weithin bekannt und zehn Jahre später Deutschlands europaweit berühmtester Dichter: Jacobus Balde (1604-1668), ein Jesuit. Als Ende 1636 Ferdinand III. zur römischen König gekrönt wurde, die Vorstufe zur Kaiserkrönung, wollte das Jesuitenkollegium in der freien Reichsstadt Regensburg dem gekürten Habsburger in besonderer Weise huldigen. Und so beauftragte man mit der Abfassung der Festgabe eben den ingeniösen Dichter Balde, der auch sogleich zeigte, dass Fürstenlob und Auftragsdichtung nicht immer langweilig oder peinlich sein muss.

Dieses kaum bekannte Werk des Meisters soll also im Wintersemester gelesen werden, und dazu laden wir herzlich ein. Unser Balde-Colloquium gibt seit nun schon weit über 30 Jahren jedem interessierten Studenten Gelegenheit, out of the mainstream erstklassige und attraktive Literatur kennen zu lernen und sich eventuell ein eigenes, dankbares Forschungsgebiet zu erschließen. Gerade auch Anfänger sind willkommen. Niemand wird zum Übersetzen genötigt. Texte werden zur Verfügung gestellt.

Literatur: